Die Stadt Sulzbach
Die Stadt Sulzbach war schon im 11. Jahrhundert Mittelpunkt der gleichnamigen Grafschaft und Sitz einer Burg. Im Jahre 1355 erhob Kaiser Karl Sulzbach zur Hauptstadt seines "Neuböhmen". Im selben Jahr sandte er aus Pilsen "von sundern gnaden, die wir zu der kirchen und statt Sulzbach tragen" Reliquien - ein Stückchen vom Haupt des heiligen Johannes des Täufers und ein Fingerglied des heiligen Burkhard und die Nachricht, er wolle die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt vergrößern und verschönern.
Das wohl bekannteste, auf Karl zurückgehende, Kunstwerk an dieser Kirche ist die fast lebensgroße Steinfigur eines Mannes in Rüstung am südöstlichen Strebepfeiler des Chores. Das Rätsel, das sie umgibt, wird wohl nie mehr gelöst werden: handelt es sich dabei um eine Abbildung Kaiser Karls IV. selbst oder ließ er dem böhmischen Nationalheiligen Wenzel ein Standbild setzen? Für letzteres würde sprechen, daß die Verehrung des böhmischen Patrons über Sulzbach hinaus im Reich verbreitet wurde.
Viele Privilegien, die Karl der Stadt verlieh, zeigen, welche Bedeutung ihr damals zukam. Besonders vorteilhaft war das Vorrecht, keinem anderen Gericht zu unterstehen, als dem kaiserlichen Landgericht. Außerdem wurde der Handel der Bürger gefördert, indem der Kaiser sie unter anderem vom Zoll in allen Städten des Reiches und im Königreich Böhmen befreite. Alles nach Sulzbach eingeführte Gut sollte vor Zugriff und Plünderung gesichert sein. Dem Spital der Stadt stiftete Karl IV. eine Reihe von Gütern und befreite es von Abgaben, auch förderte er nachhaltig den Bergbau, indem er unter anderem 1354 den Sulzbacher Bürgern das Recht verlieh, überall im Sulzbacher Land Bergwerke anlegen und nach Bergwerksrecht betreiben zu können.
Von 1354 bis 1373 stellte Karl in Sulzbach rund hundert Urkunden aus, unter ihnen solche, die für die Reichspolitik entscheidend waren. Man errechnete, daß die Tage, die er zwischen 1354 und 1374 hier verbrachte, zusammengenommen nahezu ein halbes Jahr ausmachten. Bei diesen Gelegenheiten nahm er übrigens zunächst nicht in der durch einen Brand beschädigten Burg seinen Aufenthalt, sondern in einem neben der Pfarrkirche gelegenen Stadthaus. Ehemals war dies das "Gasthaus zur Krone".
Drei viereckige Steinplatten erinnern noch an Sulzbachs neuböhmische Zeit: die mittlere Platte zeigt den weißen oder silbernen böhmischen Löwen, die beiden anderen, links und rechts, jeweils einen Adler. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die Wappentiere Mährens und Schlesiens, denn ein "doppelter" Reichsadler ist eher unwahrscheinlich.
Am 12. Juni 1354 beteiligte Karl sich sogar an der Fronleichnamsprozession in der Stadt. Niemals mehr in späterer Zeit war Sulzbach der Ort, in dem kaiserliche Hoftage stattfanden und politische Entscheidungen von so hohem Range getroffen wurden wie in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der Sulzbacher Chronist Georg Christoph Gack stellte zusammenfassend fest: "So hatte sich unter Karls beglückender Regierung der Wohlstand der Stadt Sulzbach bedeutend gehoben, auch ihr Umfang sich ansehnlich vergrößert."
Ausdruck der Wohlhabenheit der Bürger dieser Zeit ist noch heute das sehenswerte gotische Rathaus, das um 1400 erbaut wurde und das Stadtbild beherrscht. Die betonte Giebelseite bildet wie beim Bürgerhaus die Hauptfront, an die sich der langgestreckte, zweigeschossige Saalbau anschließt. Über dem gotischen Portal ragt ein flacher, breiter Erker mit Spitzbogenfenstern und Maßwerkblenden vor. Darüber eine hübsche Rosette und das pfalzbayerische Wappen.
Von Mauern und Türmen der Stadtbefestigung sind noch wesentliche Teile erhalten. Im 17. Jahrhundert wird Sulzbach als "zimlich wehrliche stat" beschrieben, mit tiefen Graben und Zwinger und vier Toren, die aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts alle abgebrochen wurden.
Besonderes Gepräge gibt der Stadt auch ihre Schloßanlage, die am Ende des 16. Jahrhunderts ihre heutige Gestalt erhielt. Die Wittelsbacher hatten Sulzbach 1582 zur Residenz erhoben und begannen sofort mit dem Ausbau des alten, vernachlässigten Schlosses. Die kostbare Innenausstattung ist zwar verschwunden, immer noch aber beeindruckt die Gesamtanlage.
